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Uni-Journal Jena11/14
Forschungsprojekte
Leitbilder der Forschung
Netzwerk erforscht Werte und Normen in der Kommunikationswissenschaft
Die Kommunikationswis-
senschaft ist eine Sozialwis-
senschaft, die stark durch
normative Randbedingungen
geprägt ist, welche die Ge-
sellschaft an sie heranträgt.
„Der gegenwärtige Medi-
enwandel und die neuen
Möglichkeiten öffentlicher
Kommunikation erfordern
die Diskussion und Reflexion
der Normen und Werte des
Fachs“, sagt die Jenaer Kom-
munikationswissenschaftlerin Dr. Arne
Freya Zillich.
Genau diese Reflexion ist das Ziel des
neuen wissenschaftlichen Netzwerkes
„Werte und Normen als Forschungsge-
genstände und Leitbilder in der Kommu-
nikationswissenschaft. Ein integrativer
Forschungsansatz“. Die Deutsche For-
schungsgemeinschaft (DFG) fördert das
Projekt in den kommenden drei Jahren
mit knapp 50000 Euro. „Wir hoffen, mit
unserem Netzwerk einen innovativen
Beitrag zur kommunikationswissen-
schaftlichen Grundlagenforschung zu
leisten“, sagt Arne Freya Zillich, die das
Netzwerk gemeinsam mit Dr. Claudia
Riesmeyer von der Ludwig-Maximilians-
Universität München (LMU) leitet.
Nachwuchs- und Seniorforscher
Das Projekt vernetzt dreizehn exzel-
lente Nachwuchswissenschaftlerinnen
von zehn verschiedenen Universitäten
in Deutschland, Österreich und der
Schweiz mit drei renommierten Senior-
forschern. „Alle Netzwerkmitglieder ver-
fügen über langjährige Expertise in den
untersuchten Forschungsfeldern sowie
in der Erhebung und Auswertung von
Daten“, betont Claudia Riesmeyer, Mit-
arbeiterin am Institut für Kommunikati-
onswissenschaft und Medienforschung
der LMU.
Das DFG-Netzwerk ermöglicht es den
Nachwuchswissenschaftlerinnen, sich
interdisziplinär über Werte und Normen
in der Kommunikationswissenschaft
auszutauschen und einen integrativen,
multidisziplinären Forschungsansatz zu
entwickeln. Ziel ist es, Werte und Nor-
men in den Forschungsfeldern Medien-
politik, Journalismus-, Medieninhalts- so-
wie Rezeptions- undWirkungsforschung
zu erfassen, vergleichend zu analysieren
und zu systematisieren. Hierzu führen
die Netzwerkmitglieder ein systemati-
sches Review der relevanten kommuni-
kationswissenschaftlichen Publikationen
von 1990 bis 2013 durch und arbeiten
ihre zentralen theoretischen Konzepte
und Leitbilder heraus. Zudem erfassen
die Forscherinnen die in den Publikatio-
nen eingesetzten Methoden und Instru-
mente.
Methodische Standards
Damit leistet das Netzwerk auch einen
Beitrag zur methodischen Standardisie-
rung des Fachs. „Das Fördergeld ermög-
licht es uns, langfristige Entwicklungen
zu untersuchen und Trends in den unter-
suchten Forschungsfeldern aufzuzeigen“,
erläutert Arne Freya Zillich.
PM
Gefährliche Ess-Störungen
Projekt untersucht die Nachhaltigkeit von Schulprogrammen
Medizinpsychologen des Uniklinikums
untersuchen die langfristige Wirkung
von Präventionsprogrammen für Ess-
Störungen bei jungen Erwachsenen.
Diese hatten vor fünf bis acht Jahren an
Unterrichtseinheiten teilgenommen, die
von den Jenaer Wissenschaftlern spezi-
ell für Teenager entwickelt und evaluiert
worden waren. Das auf drei Jahre ange-
legte Projekt wird vom Bundesministe-
rium für Bildung und Forschung (BMBF)
im Rahmen seines Förderschwerpunk-
tes Präventionsforschung mit 300 000
Euro unterstützt.
Schon zwölfjährige Mädchen berich-
ten von ständigen Sorgen um Figur und
Gewicht, regelmäßigen Diäten oder
selbst herbeigeführtem Erbrechen, weil
sie mit ihrem Körper unzufrieden sind.
Das war der alarmierende Ausgangs-
punkt zur Entwicklung eines Präventi-
onsprogramms gegen Ess-Störungen
bei Teenagern. PD Dr. Uwe Berger lei-
tete mehrere Projekte, in denen Schul-
programme zur Vorbeugung von Ma-
gersucht, Bulimie, Fress-Attacken und
Adipositas etabliert wurden. „In Zusam-
menarbeit mit den Schulen konnten wir
in den Jahren 2006 bis 2009 über 2500
Thüringer Schülerinnen und Schüler der
6. bis 8. Klassen in diese Programme
einbeziehen und bei ihnen nachweislich
eine Verbesserung des Körperselbstwer-
tes und des Essverhaltens erreichen“,
fasst der Psychologe die Ergebnisse
zusammen.
Das jetzt gestartete Folgeprojekt un-
tersucht die Nachhaltigkeit dieser Prä-
ventionsprogramme. Fünf bis acht Jahre
nach der Teilnahme an den Unterrichts-
einheiten befragen die Wissenschaftler
die nun 16- bis 20-Jährigen erneut und
ebenso Gleichaltrige, die kein Präven-
tionsprogramm absolviert haben. In
einem Online-Fragebogen erfassen sie
das Essverhalten, den Körperselbstwert,
Größe und Gewicht sowie eine eventu-
elle bisherige Behandlung wegen einer
Ess-Störung. Interviews mit Lehrern zu
den etablierten Präventionsprogrammen
sollen dazu beitragen, zukünftige Mög-
lichkeiten der Prävention in der Schule
zu verbessern.
Risikofaktoren erfassen
„Wir wollen die Entwicklung des Ess-
verhaltens über die Zeitspanne der Pu-
bertät im Langzeitverlauf beschreiben
und dabei Risikofaktoren für die Entwick-
lung von Ess-Störungen und Adipositas
erfassen“, so die Co-Autorin des Projekt-
antrages, Dr. KatharinaWick. „Unser Ziel
sind gut funktionierende und nachhaltige
Strukturen für die Prävention.“
vdG
Kommunikations-
wissenschaftlerinDr.
ArneFreyaZillich
koordiniertdasNetz-
werkausdreizehn
Nachwuchswissen-
schaftlerinnenund
dreiSeniorforschern.
Kontakt:
Tel.:03641/944935
E
-Mail:arne.zillich@
uni-jena.de
Foto:privat
WennsichdieGe-
dankennurumFigur
undGewichtdrehen,
könnteeineEss-
Störungvorliegen.
Kontakt:
PDDr.UweBerger
Tel.:03641/937790
E
-Mail:uwe.berger@
med.uni-jena.de
Fotomontage:Berger