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Uni-Journal Jena11/14

Forschung

Bessere Regulierung lohnt sich

Studie beleuchtet Management und Beschäftigung beim Discounter Lidl

Gefährliche Verwandlungskünstler

Wie Bioinformatiker helfen, die Genome von Viren zu analysieren

Arbeit in Angst, unter permanentem

Leistungsdruck, immer unter Beobach-

tung der Chefs – für die Beschäftigten

beim Lebensmittel-Discounter Lidl ge-

hört das zum Alltag. Das offenbarte das

sogenannte Lidl-Schwarzbuch, mit dem

die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di

im Jahr 2004 bundesweit Schlagzeilen

machte.

Dabei müsse das nicht sein, ist Prof.

Dr. Mike Geppert überzeugt. „Es gibt

auch Lidl-Filialen, in denen Beschäf-

tigte unter guten Bedingungen arbei-

ten können und sogar zum großen Teil

gewerkschaftlich organisiert sind“, sagt

der Inhaber des Lehrstuhls für Strate-

gisches und Internationales Manage-

ment. Allerdings: Diese Filialen sind

eher im europäischen Ausland, etwa in

Finnland, zu finden und nicht in Deutsch-

land. Der Grund dafür sei eine bessere

staatliche Regulierung in diesen Län-

dern, wie Geppert im „European Jour-

nal of Industrial Relations“ schreibt (DOI:

10.1177/0959680114544015).

Gemeinsam mit einem internationalen

Team hat der Wissenschaftler Manage-

ment, Organisation und Arbeit in Lidl-

Filialen sowie anderen Unternehmen im

Lebensmitteleinzelhandel in sieben euro-

päischen Ländern untersucht. Demnach

verfolge der Konzern eine Management-

Strategie, die bisweilen „totalitäre“ Züge

tragen kann, erläutert Geppert. So ge-

linge es Lidl seit Jahrzehnten, die Inter-

essenvertretungen der Beschäftigten in

Deutschland nahezu vollständig aus dem

Konzern fernzuhalten: In den ca. 3 000

deutschen Lidl-Filialen gibt es momen-

tan genau sieben Betriebsräte.

Die Folge sind oft extrem restriktive

Arbeitsbedingungen, die von einigen

Mitarbeitern als „ein ständiges Klima

der Angst“ wahrgenommen werden.

Und genau hier wären die Gewerkschaf-

ten gefragt, betont Geppert. Wie der

internationale Vergleich zeige, könnten

sie durchaus Einfluss nehmen. Beispiel

Finnland: „Obwohl auch hier die Arbeits-

bedingungen bei Lidl anfangs ähnlich

restriktiv waren wie in Deutschland und

anderen europäischen Lidl-Läden, wei-

chen sie mit der Zeit doch deutlich auf

und nähern sich denen anderer Lebens-

mittelhändler in Finnland an“, so Gep­

perts Fazit. 

US

Bioinformatikerin

Jun.-Prof.Dr.Manja

MarzgehtStruktur,

FunktionundEvo-

lutionvonVirenauf

denGrund.

Kontakt:

Prof.Dr.Mike

Geppert

Tel.:03641/943160

E

-Mail:mike

.

geppert@uni-jena.de

Ebola-Ausbruch in Westafrika: Seit Mo-

naten grassiert die gefährliche Krank-

heit in Guinea, Sierra Leone und Liberia.

Mehrere Tausend Tote hat die Epidemie

bereits gefordert und noch immer be-

kommen sie Ärzte und Helfer nicht in

den Griff. Auch wenn die Gründe dafür

vor allem in mangelnder Aufklärung und

nicht eingehaltenen Quarantänemaß-

nahmen liegen – vieles über die hoch-

ansteckende Krankheit und ihre Erreger

ist auch heute noch rätselhaft: Woher

kommen die Ebola-Viren?Wie verbreitet

sind sie und wie schaffen sie es, immer

wieder in neuer Form aufzutreten?

Großer Forschungsbedarf

Diese und ähnliche Fragen könne

nicht allein die Virologie beantworten, ist

Junior-Prof. Dr. Manja Marz überzeugt.

Um Struktur, Funktion und Evolution

von Viren aufzuklären und zu verstehen,

gelte es, computergestützte Methoden

zielgerichtet einzusetzen, um große

Datenmengen etwa Genomsequenzen

zu analysieren, erläutert die Bioinforma-

tikerin. Genau das hat sich das junge

Team um Manja Marz gemeinsam mit

Bioinformatikern und Virologen aus ganz

Deutschland sowie internationalen Part-

nern vorgenommen und in einer Über-

sichtsarbeit den weltweiten Forschungs-

stand zur Analyse von Genomdaten von

RNA-Viren zusammengetragen. Mit der

Publikation in der Fachzeitschrift „Bioin-

formatics“ haben sie zugleich den gro-

ßen Forschungsbedarf aufgezeigt, der

in Sachen computergestützter Analyse

von Viren-Genomdaten besteht (DOI:

10.1093/bioinformatics/btu105).

So bereite es Schwierigkeiten, neue

Virengenome überhaupt zu identifizie-

ren. Zudem kommen Viren innerhalb

eines Wirts in ganz unterschiedlichen

genetischen Varianten vor. Hier brau-

che es neue Methoden, um einzelne

Spezies definieren zu können. Weiterer

Forschungsbedarf bestehe hinsichtlich

der in den Viren vorkommenden Genom-

Sekundärstrukturen sowie der Interakti-

onen zwischen Virus- und Wirtsgenom

bei der Infektion und der Immunabwehr,

so die Autoren.

Und nicht zuletzt erhoffe man sich

durch neue Forschungen tiefere Ein-

blicke in den Stammbaum und die

verwandtschaftlichen Verhältnisse der

heute bekannten Viren. 

US

GünstigePreisefürdieKunden,damitwirbt

derLebensmitteldiscounterLidl.Dochdie

Beschäftigtenbezahlendafürmiterheblichen

psychischenundphysischenBelastungen.

Kontakt:

Tel.:03641/946480

E-Mail:manja@uni-

jena.de

Foto:Kasper

Foto:Günther